Kabelquerschnitt richtig berechnen: Vollständige Anleitung
Der richtige Kabelquerschnitt ist entscheidend für die Sicherheit Ihrer Elektroinstallation. Zu kleine Querschnitte können zu Überhitzung und Kabelbrand führen, zu große Querschnitte verschwenden Material und Kosten. In dieser Anleitung zeigen wir Ihnen, wie Sie unseren Kabelquerschnitt-Rechner richtig verwenden.
1. Stromart auswählen
Wählen Sie zunächst die Stromart aus:
- Wechselstrom (230V): Standard für Haushaltssteckdosen, Beleuchtung
- Drehstrom (400V): Für Herde, Motoren, Werkstattmaschinen
- Gleichstrom: Für Solar, Batterien, DC-Anwendungen
2. Spannung eingeben
Die Spannung wird automatisch vorausgefüllt:
- Wechselstrom: 230V
- Drehstrom: 400V
- Bei Gleichstrom: Je nach Anwendung (12V, 24V, 48V, etc.)
3. Stromstärke oder Leistung
Sie können wählen, ob Sie die Stromstärke (A) oder die Leistung (W) eingeben möchten:
Stromstärke direkt bekannt:
Wenn Sie die Stromstärke kennen (z.B. von Gerätedaten), geben Sie diese direkt ein.
Nur Leistung bekannt:
Der Rechner berechnet automatisch die Stromstärke aus der Leistung unter Berücksichtigung des Leistungsfaktors (cos φ).
Beispiele:
- Herd 9000W bei 400V Drehstrom → ca. 13A
- Steckdosenkreis 2300W bei 230V → 10A
- Werkzeugmaschine 3000W bei 400V → ca. 4,5A
4. Leitungslänge
Wichtig: Geben Sie die einfache Leitungslänge ein (nicht Hin- und Rückweg). Der Rechner berücksichtigt automatisch beide Leiter.
Beispiel: Vom Sicherungskasten bis zur Steckdose sind es 15 Meter → Eingabe: 15m
5. Leitermaterial wählen
- Kupfer (Cu): Standard, beste Leitfähigkeit (56 m/(Ω·mm²))
- Aluminium (Al): Günstiger, aber schlechtere Leitfähigkeit (36 m/(Ω·mm²))
Empfehlung: Verwenden Sie in Wohngebäuden immer Kupfer.
6. Verlegeart
Die Verlegeart beeinflusst die Strombelastbarkeit nach DIN VDE 0298-4:
- In Rohr / Installationskanal: Geringste Strombelastbarkeit (schlechteste Kühlung)
- Auf Putz / Frei: Beste Kühlung, höchste Belastbarkeit
- Erdverlegt: Mittlere Belastbarkeit
7. Leistungsfaktor (cos φ)
Der Leistungsfaktor beschreibt das Verhältnis von Wirk- zu Scheinleistung:
- 0,95: Standard für gemischte Verbraucher (voreingestellt)
- 1,0: Rein ohmsche Lasten (Heizung, Beleuchtung)
- 0,7 - 0,9: Motoren, Transformatoren
8. Maximaler Spannungsfall
Nach DIN VDE 0100-520 gelten folgende Grenzwerte:
- 3%: Für Endstromkreise (Standard)
- 4%: Vom Zähler bis zum Verbraucher maximal
- 1%: Für besonders kritische Anwendungen
9. Ergebnis interpretieren
Der Rechner zeigt Ihnen:
- Erforderlicher Querschnitt: Der nächst größere Normquerschnitt (1,5 / 2,5 / 4 / 6 / 10 / 16 / 25 mm² etc.)
- Tatsächlicher Spannungsfall: In % und Volt
- Max. Strombelastbarkeit: Des gewählten Querschnitts bei Ihrer Verlegeart
- Bewertung:
- ✅ Optimal dimensioniert
- ⚠️ Spannungsfall über 3% - grenzwertig
- ❌ Über 4% - NICHT ZULÄSSIG
Praxisbeispiel 1: Herdanschluss
Aufgabe: 9 kW Herd, 15 Meter Entfernung
Eingaben:
- Stromart: Drehstrom (400V)
- Leistung: 9000W
- Länge: 15m
- Material: Kupfer
- Verlegeart: In Rohr
- cos φ: 0,95
- Max. Spannungsfall: 3%
Ergebnis: 2,5 mm²
Praxisbeispiel 2: Steckdosenkreis
Aufgabe: 16A Steckdosenkreis, 25 Meter
Eingaben:
- Stromart: Wechselstrom (230V)
- Stromstärke: 16A
- Länge: 25m
- Material: Kupfer
- Verlegeart: In Rohr
- Max. Spannungsfall: 3%
Ergebnis: 2,5 mm²
Häufige Fehler vermeiden
- ❌ Hin- UND Rückweg addieren (nur einfache Länge eingeben!)
- ❌ Falsches Material (Al statt Cu)
- ❌ Falsche Verlegeart (beeinflusst Strombelastbarkeit!)
- ❌ Zu hohen Spannungsfall akzeptieren (max. 3% für Endkreise!)
Wichtige Normen
- DIN VDE 0298-4: Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen
- DIN VDE 0100-520: Kabel- und Leitungsanlagen, Spannungsfall max. 3%
- DIN VDE 0100-430: Schutz bei Überstrom
Hinweis: Diese Anleitung dient nur als Hilfestellung. Elektroinstallationen dürfen nur von qualifizierten Elektrofachkräften durchgeführt werden!