Die berühmte Frage „Wie viel Ampere verträgt 1,5 mm²?" hat keine pauschale Antwort – sie hängt von Verlegeart, Temperatur und Nachbarleitungen ab. Der Strombelastbarkeit-Rechner (VDE 0298-4 mit Häufung) rechnet die Tabellenwerte der DIN VDE 0298-4 auf Ihre reale Einbausituation um.
Das Prinzip
Iz = Iz,Tabelle × f_Temperatur × f_Häufung – der Basiswert aus der Norm gilt für 25 °C Umgebung und eine einzelne Leitung. Jede Abweichung reduziert die Belastbarkeit: 40 °C Umgebung kostet je nach Isolierung rund 13–18 %, vier gehäufte Stromkreise auf der Kabelrinne rund 35 %.
Schritt für Schritt
- Verlegeart wählen: A1/A2 (in wärmegedämmter Wand), B1/B2 (im Rohr auf der Wand), C (direkt auf der Wand) oder E (Kabelrinne mit Luft)
- Querschnitt wählen: 1,5 bis 35 mm²
- Umgebungstemperatur eingeben: Dachgeschoss im Sommer und Heizungsräume liegen deutlich über 25 °C
- Häufung angeben: Anzahl der gemeinsam verlegten, gleichzeitig belasteten Stromkreise
- Ergebnis prüfen: reale Belastbarkeit Iz und die maximal zulässige Sicherung
Rechenbeispiel
1,5 mm² in Verlegeart A2 (Mantelleitung in der gedämmten Wand): Tabellenwert 15,5 A. Bei 40 °C Umgebung (f = 0,87) und drei gehäuften Stromkreisen (f = 0,7) bleiben 9,4 A – die übliche 16-A-Sicherung ist hier unzulässig, es braucht 2,5 mm² oder eine 10-A-Absicherung. Genau diese Kombination wird in der Praxis am häufigsten übersehen.
Praxistipps
Die Verlegeart ist der größte Hebel: Dieselbe Leitung trägt auf der Kabelrinne (E) rund 30 % mehr als in der gedämmten Wand (A2). Bei langen Leitungen zusätzlich den Spannungsfall prüfen – oft begrenzt er früher als die Erwärmung. Und dokumentieren Sie die Faktoren: Bei der Abnahme nach DIN VDE 0100-600 wird genau danach gefragt. Verbindlich bleibt die Bewertung durch die Elektrofachkraft.