5 Mythen über den Alkoholabbau – und was wirklich hilft

Allgemein

Um kaum ein Thema ranken sich so viele Küchenweisheiten wie um den Alkoholabbau. Das Problem: Wer ihnen glaubt, setzt sich zu früh ans Steuer. Zeit für einen Faktencheck.

Mythos 1: „Kaffee macht nüchtern"

Falsch. Koffein macht wacher, aber nicht nüchterner – der Blutalkohol bleibt unverändert, denn die Leber lässt sich nicht beschleunigen. Gefährlicher Nebeneffekt: Man fühlt sich fahrtüchtiger, als man ist. Die Kombination aus Restalkohol und überschätzter Wachheit ist ein Klassiker der Unfallstatistik.

Mythos 2: „Tanzen und Sport schwitzen den Alkohol raus"

Falsch. Über Schweiß, Atem und Urin verlassen zusammen nur etwa 2–5 % des Alkohols den Körper. Die restlichen 95 % baut die Leber ab – mit ihrer festen Rate von etwa 0,1 bis 0,2 ‰ pro Stunde (Mittel: 0,15 ‰). Weder Sauna noch Sport ändern daran etwas; Dehydrierung verschlimmert den Kater sogar.

Mythos 3: „Eine gute Grundlage verhindert den Rausch"

Halb falsch. Fettes Essen verzögert die Aufnahme des Alkohols ins Blut – der Spitzenwert kommt später und fällt etwas niedriger aus. Aber: Die Gesamtmenge Alkohol muss trotzdem komplett abgebaut werden. Die Grundlage verschiebt den Rausch, sie verhindert ihn nicht – und aufs Frühstück wirkt sie schon gar nicht mehr.

Mythos 4: „Schlaf baut Alkohol schneller ab"

Falsch. Die Leber arbeitet im Schlaf eher langsamer, keinesfalls schneller. Die Rechnung bleibt gnadenlos: Wer um 2 Uhr mit 1,5 ‰ einschläft, wacht um 8 Uhr mit etwa 0,6 ‰ auf – deutlich über der 0,5-‰-Grenze und in Ländern mit 0,0-Toleranz ein Fall für die Polizei. Genau dieser Restalkohol am Morgen ist die häufigste unbeabsichtigte Trunkenheitsfahrt.

Mythos 5: „Ein Bier pro Stunde kann man immer"

Falsch. Ein halber Liter Bier bringt rund 20 g Alkohol – bei einer 60-kg-Frau entspricht das etwa 0,5 ‰, abgebaut werden in der Stunde aber nur etwa 0,1 g Alkohol pro kg Körpergewicht. Die Faustregel geht nur für schwere Männer halbwegs auf; bei leichteren Personen akkumuliert der Pegel Glas für Glas. Pauschalregeln scheitern an Gewicht, Geschlecht und Trinkgeschwindigkeit.

Was wirklich hilft: rechnen und warten

Der einzige Abbaufaktor ist die Zeit. Wie viel davon nötig ist, zeigt der Promille-Rechner nach der Widmark-Formel – inklusive Wartezeit bis 0,5 und 0,0 ‰. Und für die Urlaubsfahrt lohnt der Blick auf die Promillegrenzen in Europa: In Tschechien oder Ungarn ist schon der Rest vom Vorabend zu viel. Wichtigste Regel bleibt: Das Ergebnis ist eine Orientierung, keine Fahrerlaubnis – im Zweifel stehen lassen.