„Stickstoff 5.0" – wer die Schreibweise zum ersten Mal sieht, hält sie für eine Versionsnummer. Tatsächlich steckt dahinter ein elegantes System: Die erste Ziffer nennt die Anzahl der Neunen, die zweite die letzte Ziffer danach. 5.0 bedeutet 99,999 % Reinheit, 4.6 heißt 99,996 %, 6.0 entsprechend 99,9999 %.
Die Übersichtstabelle
| Qualität | Reinheit | Max. Verunreinigung | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| 2.8 | 99,8 % | 2000 ppm | Technische Anwendungen, Reifenfüllung |
| 4.6 | 99,996 % | 40 ppm | Schweißschutzgas, allgemeine Inertisierung |
| 4.8 | 99,998 % | 20 ppm | Lebensmittel, einfache Laboranwendungen |
| 5.0 | 99,999 % | 10 ppm | GC-Trägergas, Analytik, Laserschneiden |
| 5.5 | 99,9995 % | 5 ppm | Anspruchsvolle Analytik, ICP |
| 6.0 | 99,9999 % | 1 ppm | Halbleiterfertigung, Spurenanalytik (ECD, GC-MS) |
Was in den Restverunreinigungen steckt
Die Gesamtangabe verteilt sich auf einzelne Komponenten, die das Analysenzertifikat ausweist. Typisch für Stickstoff 5.0: O₂ ≤ 3 ppm, H₂O ≤ 5 ppm, Kohlenwasserstoffe ≤ 0,2 ppm. Bei 6.0 sinken die Grenzen auf O₂ ≤ 0,5 ppm und H₂O ≤ 0,5 ppm – Letzteres entspricht einem Taupunkt von etwa −80 °C. Wichtig: Entscheidend ist oft nicht die Summenreinheit, sondern die eine kritische Komponente. Ein ECD-Detektor stört sich an Sauerstoffspuren, ein Prozessofen an Feuchte – das Zertifikat genau lesen lohnt sich mehr als eine Qualitätsstufe höher zu kaufen. Wie Taupunkt und ppm zusammenhängen, zeigt der Taupunkt-ppm-Rechner (Feuchte in Gasen).
Jede Neun kostet exponentiell
Von 4.6 auf 5.0 zahlt man moderat drauf, von 5.0 auf 6.0 vervielfacht sich der Preis – die letzte Neun ist in der Herstellung die teuerste. Deshalb lohnt die ehrliche Frage: Welche Reinheit braucht der Prozess wirklich am Verbraucher? Für Schweißschutzgas ist 4.6 völlig ausreichend, fürs GC-Trägergas meist 5.0; 6.0 braucht, wer im ppb-Bereich misst oder Wafer beschichtet.
Die Flasche ist nur der Anfang
Die spezifizierte Reinheit gilt ab Flaschenventil – was am Verbraucher ankommt, entscheidet das Leitungsnetz. Elastomerdichtungen lassen Feuchte permeieren, ungespülte Abzweige tragen Luft ein, und jeder Flaschenwechsel ohne Spülprozedur kontaminiert das System. Mehr dazu im Beitrag Die 7 häufigsten Fehler beim Umgang mit Reinstgasen; die passenden Werkzeuge sind der Spülzeit-Rechner für Gasleitungen und der Leckraten-Umrechner (Dichtheitsprüfung). Merksatz: Lieber 5.0 sauber verrohrt als 6.0 durch den Gummischlauch.